Ingenieur- und Industrievermessung

Geodäsie und Geoinformation: Was ist das?

 

Ingenieurvermessung

Die Haupttätigkeitsfelder der Ingenieurvermessung liegen im Bauwesen sowie im Maschinen- und Anlagenbau. Die Steuerung und Qualitätssicherung komplexer Bau- und Fertigungs-prozesse erfordert die Bereitstellung von hochpräzisen geometrischen Informationen über den aktuellen Zustand der am Prozess beteiligten Komponenten. Praktische Beispiele für die Mit-wirkung in Bauprozessen sind z.B. die Steuerung von Vortriebsmaschinen im Tunnelbau, die Überwachung der Standsicherheit von Gebäuden und geotechnischen Objekten sowie die Präzisionsabsteckung von Brückenbauwerken bzw. von Hochgeschwindigkeitstrassen. Im Bereich der industriellen Fertigung ist vor allem die Qualitätskontrolle in der Automobil- und Flugzeugindustrie anzuführen. Durch den Einsatz modernster Messsysteme (u.a. Robotertachymeter, Laserscanner und Lasertracker) erfasst und evaluiert die Ingenieurvermessung die relevanten Informationen in Echtzeit. Sie begleitet den gesamten Prozess von der Planung über die technische Realisierung bis hin zur weiterführenden Überwachung zur Vermeidung von Schäden. IngenieurgeodätInnen sind daher Allround-Talente, welche in einem hochdynamischen Umfeld maßgeschneiderte Lösungen zur effizienten Bearbeitung von messtechnischen Problemstellungen entwickeln.

Die Aufgabenfelder von IngenieurgeodätInnen sind sehr vielfältig. Zum Bereich des Bau-wesens gehört die Erzeugung von Bestandsplänen als Planungsgrundlage für Bauvorhaben, die Schaffung von hochgenauen Ingenieurnetzen als Grundlage für die Realisierung von Bau-werken, die gesamte baubegleitende Vermessung (Bauwerksabsteckung und -aufnahme) und das Bauwerksmonitoring zur Vermeidung von Bau-schäden bzw. zur Klärung von Schadensursachen. Gerade letztere Aufgabe geht weit über die Vermessung hinaus und erfordert detaillierte Deformationsanalysen und -interpretationen, welche durch die enge Zusammenarbeit mit Bauingenieuren, Geotechnikern, Geologen und Geophysikern realisiert werden. Hier ist die Ingenieurgeodäsie stark in die Entwicklung von Frühwarnsystemen eingebunden. Zum Bereich der Industrievermessung gehört die Entwicklung, Kalibrierung und Anwendung von mechanischen, elektrischen und elektrooptischen Messsystemen, welche in der Lage sind, Messungen hochfrequent (z.T. mehrere tausend Messungen pro Sekunde), extrem präzise (z.T. im μm-Bereich) und möglichst automatisiert durchzuführen. Die Messsysteme werden in bestehende industrielle Fertigungsprozesse integriert und liefern die Grundlagen für die Qualitätskontrolle der erzeugten Produkte (z.B. Formkontrolle von Fahrzeugkompo-nenten). Die Industrievermessung ist auch in die Planung, Präzisionsabsteckung und Über-wachung von technischen Anlagen involviert. Hierzu gehören Produktionsanlagen aller Art, aber auch Kraftwerke (z.B. Wind- und Wasserkraftwerke) und Forschungseinrich-tungen wie Teilchenbeschleuniger.

Die Ingenieurvermessung ist damit eine stark interdisziplinär ausgeprägte Wissenschaftsdisziplin. IngenieurgeodätInnen arbeiten eng mit Bauingenieuren, Geologen und Geotechnikern, Geophysikern, Maschinenbauern und Elektrotechnikern zusammen. Diese Zusammenarbeit erfordert neben dem geodätischen Wissen auch fundierte fachübergreifende Kenntnisse in den o.g. Bereichen und eine große soziale Kompetenz. IngenieurgeodätInnen sind damit in der Lage, nicht nur zu vermessen, sondern in komplexe Bau- und Fertigungsprozesse steuernd einzugreifen.